Altpapier vom Donnerstag
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Was die Medien in der Gegenwart so spannend macht: die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, das Zusammenwachsen von Dingen, die noch vor wenigen historischen Augenblicken überhaupt nicht zusammenpassen konnten.
Aktuelle Beispiele: das Fernsehen im Internet, der Berliner Verlag. Der Berliner Verlag ist bekanntlich im Besitz von Investoren, zu deren Reich auch die Netzeitung gehört. Sie sind an der englischen Börse notiert, in vielen Ländern Europas vertreten und, positiv formuliert, für ganz besonders ehrgeizige Renditeziele bekannt. Vergleichbare Investoren gibt es in der deutschen Medienwelt nur wenige, in Zeitungsverlagen sonst gar nicht. Womöglich aber entwickelt sich die Branche generell in in diese Richtung.
Andererseits ist das wichtigste Objekt des Verlags eine Zeitung mit erfolgreicher DDR-Vergangenheit. In der DDR wiederum war auch die Stasi verbreitet. Und daher kreisen seit einiger Zeit um die «Berliner Zeitung» sowohl Berichte über Einsparungen und Finanzinvestoren, die in eine vielleicht grundsätzlich finstere Zukunft für gedruckte Zeitungen weisen, als auch Berichte über Stasi-Verstrickungen, die an die späten 80er und die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erinnern.
Vielleicht folgen tiefergehende Artikel, wenn der Bericht der von Johannes Weberling geleiteten Forschungsgruppe über die Stasi-Verstrickungen vorliegt. «Im Spätherbst» («Welt») soll es so weit sein. «Ohne Fernsehen ins Bett? Das ist vielen Kindern heute egal», kondensiert die aktuelle 'Zeit' eine andere Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Die Kinder von heute holen sich die Bewegtbilder, die sie wollen, ja sowieso auf diesen oder jenen Endgeräten aus dem Internet.
Andererseits bringen es die Berliner 'Candygirls' aus Rupert Murdochs «Myspace»-Netzwerk (siehe auch Netzeitung) auf rund etwas mehr als 70.000 Abrufe. «Aber wenn Florian Silbereisen im Ersten zum großen 'Sommerfest der Volksmusik' lädt, versammelt er mal eben sechs Millionen vor der Glotze, um ein Vierteljahrhundert Kastelruther Spatzen zu feiern».
So beginnt der Artikel, der anlässlich der nun startenden IFA den Stand der Konvergenz analysiert. Am Ende gelangen Anna Marohn und Marcus Rohwetter zu einer IFA-tauglich salomonischen Prognose: «Wenn Internet und Fernsehen zusammenwachsen, dann liefert das Netz die Flexibilität, die Glotze die Bequemlichkeit. Und vor dem Bildschirm, egal wie groß er sein mag, sitzt dann eine Art Lean-forward-Sofakartoffel.»
«Wie TV-Sendungen für junge Zuschauer interessanter werden» könnten, wurde auch auf einem «Trendforum» in der RTL-Journalistenschule zu Köln diskutiert. Heraus kam, berichtet Ulrike Langer im 'Stadtanzeiger', dass das oft nur eine «Frage der Verpackung» sei:«So habe eine Schicksalsreportage über einen immungeschädigten Jungen, der in einem Schutzzelt lebte, mit dem Titel 'Der Junge in der Blase' bei Arte nur 140.000 Zuschauer angesprochen. Bei RTL 2 bekam der gleiche sensibel gedrehte Film den reißerischen Titel 'Da draußen lauert der Tod' - und 1,1 Millionen Zuschauer schalteten ein.»
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Von der Verleihung des Nachwuchspreises namens «First Steps» berichten
'taz'
und
Netzeitung.
+++ Die heutige Ausgabe der «Berliner Zeitung» steht derzeit nicht online, auf der Medienseite gibt's ein Interview mit Radio-DJ Rik De Lisle, der schon in den 1980ern und 90ern in Berlin Radio machte (AFN, Rias 2, rs2) und neuerdings, u.a. auf rs2, wieder moderiert. +++ Als Jay Rosen einmal auf der «New York Times»-Webseite las, dass Reporter Matthew L. Wald gerade online Leserfragen beantworte, fragte er diesen, ob er denn Fragen an seine Leser habe. Wald verneinte... Mit dieser Anekdote leitet Thomas Schuler in der «SZ» einen weiteren Bericht über relativ verzweifelte Bemühungen in den USA ein, Online-Journalismus zu finanzieren («SZ», S. 15). +++ Ferner geht es ebd. um den eskalierenden Fußball-Fernseh-Rechtestreit in Italien und um die in Deutschland neue Fußball-Zeitschrift
'Eurosoccer'.
«Wir treten hier gegen gar niemanden an, weil es in Deutschland kein monatliches Fußball-Hochglanz-Magazin gibt», sagt Chefredakteur Ulrich Kühne-Hellmessen. Das Heft könnte aber «zu glatt für die Südkurve» daherkommen, meint die «SZ». +++ Auf der heute nur halben «FAZ»-Medienseite empfiehlt Harald Keller eine Arte-Doku über frühen deutschen Krautrock, und Michael Hanfeld berichtet, dass der Satellitenbetreiber Eutelsat trotz diverser Proteste den regimekritischen chinesischsprachigen Sender NTDTV weiterhin
(siehe Altpapier)
nicht ausstrahlen will. +++ Nicht etwa ist Paul Würdig der Künstlername von Sido, vielmehr verhält es sich umgekehrt. Über den neuen Castingshow-Bohlen von Pro Sieben und die neue «Popstars»-Staffel informiert der
'Tagesspiegel':
«Tränen werden fließen». +++ RTLs «AWZ» wird auch schon 500
('KStA').
+++ BBC World News arbeite zwar defizitär, sieht sich aber «mit wöchentlich 78 Millionen Zuschauern» als Nr. 2 der weltweit tätigen Nachrichtenkanäle hinter CNN International. Das erfuhr die
'FTD'
von Geschäftsführerin Anne Barnard. +++ Wie sich die Türkei, die ja der EU beitreten möchte, mit ihrer Zensurpraxis «in Gesellschaft von Diktaturen wie China, Iran, Saudi-Arabien oder Syrien» begibt, beschreibt die
'Rundschau'.
Es geht vor allem natürlich um vermeintliche Atatürk-Beleidigungen auf Youtube. +++ Bei sog. weißer Ware, die neuerdings merkwürdigerweise die IFA bereichert, «haben sich seit langem Energieeffizienzklassen eingebürgert.... Im Falle der Unterhaltungselektronik gibt es so gut wie überhaupt kein ökologisches Bewusstsein». Wie sich «grüner fernsehen» lässt, skizziert Helmut Merschmann im
'Freitag'.
+++ Und «auf die weitere Digitalisierung des Weltwissens, redigiert von Google», gespannt zeigt sich
Klaus Kreimeier.
+++ Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Freitag gegen 10.00 Uhr.









