06. Jan 2009 16:10
Starb Jett Travolta auch deshalb, weil seine Eltern Scientologen sind? Während die These in den USA schon fast wieder vom Tisch ist, hängt sich eine deutsche Expertin weit aus dem Fenster.
Menschen aus aller Welt reagierten bestürzt auf den Tod des erst 16-jährigen Jett Travolta. Laut Totenschein starb der Sohn von Hollywoodstar John Travolta am vergangenen Freitag an den Folgen eines Anfalls, dessen Auslöser nicht ganz klar ist.Neben diversen Details des mysteriösen Unglücks auf den Bahamas wurde in den US-Medien kurzzeitig auch eine gewagte These debattiert: Ob die Zugehörigkeit seiner Eltern zur Glaubensgemeinschaft Scientology für den frühen Tod des Kindes verantwortlich zu machen sei. Jett Travolta, der seit frühester Kindheit an einer öffentlich nicht benannten Krankheit - möglicherweise dem Kawasaki-Syndrom oder auch Autismus - litt, wurde möglicherweise falsch oder unzureichend behandelt, mutmaßten etliche Weblogs, aber auch seriöse Medien.
Nun hat die Gerüchteküche auch Deutschland erreicht. Die Zeitschrift «Gala» lässt die Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology bei der Hamburger Innenbehörde, Ursula Caberta, in ihrer neuen Ausgabe ein gewagte Ferndiagnose geben. «Der arme Junge würde noch leben, wenn seine Eltern keine Scientologen wären», so Caberta zu dem Blatt, und weiter: «Eigentlich müsste man John Travolta und seine Frau wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen.»Ihre These: Scientologen setzten bei jeder Art von Krankheit «in erster Linie auf abstruse Reinigungsgänge». Caberta in der Pressemitteilung der «Gala» weiter: «Nehmen wir mal an, der Junge hatte tatsächlich das Kawasaki-Syndrom. Das ist eine Krankheit, die man im frühen Kindesalter bekommt, und die die Ärzte für gewöhnlich mit dem Einsatz von Medikamenten innerhalb weniger Monate in den Griff kriegen.» Aus Rücksicht auf Scientology hätten die Eltern Jett augenscheinlich nicht richtig versorgt, so Caberta, die weder Jett noch seine Eltern je persönlich getroffen hat und von Beruf auch nicht Medizinerin, sondern studierte Volkswirtin ist.
In den USA wiederum ist die Geschichte längst schon wieder vom Tisch. Im Onlineauftritt des US-Senders MSNBC dementierte Tommy Davis von Scientology International derweil die Gerüchte. Demnach nutzen auch Scientologen «konventionelle medizinische Behandlungsmethoden für medizinische Methoden. Scientologen nutzen auch verschreibungspflichtige Medikamente, wenn sie physisch krank sind und lassen sich von Medizinern behandeln», so die Erklärung, die sich direkt auf die Scientology-kritischen Berichte über den Tod von Jett Travolta bezieht. Eine Aussage, die allerdings wieder neue Fragen aufwirft - sollte der Junge doch unter einer als «psychisch» eingestuften Krankheit gelitten haben, wäre eine medikamentöse Therapie also nicht garantiert. Unvergessen etwa ist der Auftritt von Tom Cruise, der Schauspielkollegin Brooke Shields öffentlich attackierte, weil die Medikamente gegen postnatale Depressionen empfohlen hatte. Auch Cruise ist bekennender Scientologe. John Travoltas Anwälte Michael McDermott und Michael Ossie dementierten unterdessen, dass sich die Familie nicht ausreichend um das kranke Kind gekümmert habe. Bleibt also nur festzuhalten, dass alle medialen Mutmaßungen über die Ursache des Todes von Jett Travolta letztlich spekulativ sind.(nz)