07. Jul 2008 09:19
Beck bringt mit «Modern Guilt» sein bestes Album seit Jahren heraus. Trotz der Hilfe von Danger Mouse schafft er aber nicht das, was möglich gewesen wäre, meint
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Trotzdem funktioniert dieses Dream Team nicht. Jedenfalls nicht so, wie zu hoffen gewesen wäre. Sicher klingen die kaum mehr als 33 Minuten auf «Modern Guilt» etwas dichter als gewöhnlich. Es schwirren einfach mehr Sounds durch den Song, als man das von dem ewig jugendlich aussehenden Chef-Frickler bisher gewöhnt war. Und die Momente, in denen seine die Musik richtungslos dahindaddelt, sind lobenswerterweise seltener geworden. Burtons straffer Umgang mit den Beats gibt dem gern abschwebenden Beck einen stabilen Halt am Boden.So weit, so gut. «Modern Guilt» ist also besser als alles, was seit «Odelay» (1996) erschienen ist. Das funkig-soulige «Midnite Vultures» (1999) und das melancholisch country-rockige «Sea Change» (2002) einmal ausgenommen. Aber diese beiden Platten spielen in einer ganz anderen Liga. Warum das System Beck, dieses über allem schwebende Eklektizismus-Darling, auf einmal nicht mehr so frisch wirkt, könnte an der Konkurrenz liegen. In Sachen Psychedelic Rock haben MGMT mit «Dracula Speckschwarte» dieses Jahr einen neuen Standard gesetzt.
«Modern Guilt» kann aber wenigstens mit Vielfalt punkten. Und das ist ja auch schon was im MP3-Zeitalter, in dem sich die Hörer oft keine kompletten Alben, sondern nur ausgewählte Lieblingsstücke runterladen. «Chemtrails» zum Beispiel kommt der von der Plattenfirma genannten Referenz – dem Psychedelic-Klassiker «Pet Sounds» von den Beach Boys – am nächsten. «Profanity Prayers» und vor allem «Soul Of A Man» wiederum hören sich an wie eine Mischung aus Electro und Wüstenrock. Im Titelstück «Modern Guilt» und in «Gamma Ray» scheinen dagegen Burtons wieder Einflüsse mehr durch, jedenfalls stärker als in «Walls», dem einzigen Song, an dem Danger Mouse als Mitautor beteiligt ist. Vollkommen außen vor steht «Replica», das ungewöhnlichste Stück des Albums.
Hier trifft ein übernervöser Breakbeat auf glockige Harmonie-Kaskaden von Synthie und Gitarre. Das ist seltsam und der Beweis dafür, dass auch der fähigste Produzent nicht jeden bizarren Einfall in gute Popmusik verwandeln kann.
Beck: „Modern Guilt“ (XL Recordings / Beggars Group / Indigo